
Bauherr: Schlesisches Museum zu Görlitz
Planung: smow
Jahr: 2025
Eingerichtete Bereiche: Ausstellung im Lichthof des Museums
Manchmal genügt ein neuer Blickwinkel, um Geschichte nicht nur zu verstehen, sondern zu erleben. Genau diesen Ansatz verfolgte das Schlesische Museum zu Görlitz, als es in Zusammenarbeit mit dem Möbelhändler smow und dem Stuttgarter Hersteller Richard Lampert seine Ausstellung „UmBrüche 1945. Schlesische Künstlerinnen und Künstler zwischen Erinnerung und Neubeginn“ um eine besondere Sonderschau erweiterte.
Im lichtdurchfluteten Lichthof trafen Besucher:innen auf Möbel von Herbert Hirche – Entwürfe, die heute als Designklassiker gelten und zugleich von einem Gestalter stammen, dessen Wurzeln in Görlitz liegen. Zwischen Architektur, Tageslicht und historischer Erzählung entfalteten das filigrane DHS 10 Regal, der elegante Barwagen und der markante Loungesessel aus dem Jahr 1953 eine stille, beinahe selbstverständliche Präsenz. Plötzlich wurde spürbar, dass Möbeldesign weit mehr ist als Form und Funktion: Es erzählt von Aufbruch, von gestalterischem Neubeginn und von der Idee einer modernen Nachkriegswelt. Die Präsentation ergänzte die Ausstellung damit nicht nur, sondern eröffnete einen sinnlichen Zugang zur Zeitgeschichte – und schlug zugleich eine berührend unmittelbare Brücke zur Görlitzer Identität.

Die Herausforderung lag darin, eine Präsentation zu entwickeln, die dem musealen Kontext ebenso gerecht wurde wie der gestalterischen Bedeutung von Herbert Hirches Entwürfen. Ziel war es nicht, Möbel lediglich auszustellen, sondern einen Dialog zwischen Ausstellungsthema, Architektur und Designgeschichte entstehen zu lassen.
Die gezeigten Re-Editionen sollten sich sensibel in den Lichthof des Schlesischen Museums einfügen und zugleich eine eigenständige erzählerische Ebene eröffnen. Dabei galt es, die Balance zwischen kuratorischem Anspruch und zugänglicher Gestaltung zu wahren: Die Möbel mussten als historische Zeugnisse der Nachkriegsmoderne lesbar werden, ohne ihre zeitlose Funktionalität und ästhetische Klarheit zu verlieren. Zugleich erforderte die enge Verbindung zur Ausstellung „UmBrüche 1945“ eine präzise inhaltliche Abstimmung. Die Präsentation sollte die Themen Herkunft, Verlust und Neubeginn nicht illustrieren, sondern subtil erweitern – über das Medium Möbeldesign, das gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen oft unmittelbarer spiegelt als klassische Ausstellungsobjekte.


Die Umsetzung des Pop-ups folgte dem Anspruch, Möbeldesign nicht nur zu zeigen, sondern erlebbar zu machen. Im Lichthof des Schlesischen Museums entstand ein begehbarer Showroom, in dem Besucher:innen die Möbel von Herbert Hirche nicht nur betrachten, sondern anfassen, ausprobieren und so unmittelbar die Designgeschichte der Nachkriegsmoderne erfahren konnten. Produziert und zur Verfügung gestellt wurden die originalgetreuen Re-Editionen vom Stuttgarter Hersteller Richard Lampert, dessen enge Zusammenarbeit mit smow die technische Präzision und Authentizität der Stücke garantierte.
Die kleinen Teppiche in der smow-Klammerform waren hier keine einschließenden Elemente, sondern richteten sich entgegengesetzt zueinander: Sie setzten subtile Akzente, beinahe wie ein räumlicher Verweis auf die zusätzliche erzählerische Ebene der Ausstellung „UmBrüche 1945“, und betonten die Verbindung zwischen Möbeldesign, Architektur und historischer Kontextualisierung. Die freigestellte Anordnung der Möbel erlaubte es, ihre filigranen Proportionen, die klare Formensprache und die charakteristische Ästhetik Hirches besonders deutlich wahrzunehmen, ohne den musealen Charakter des Lichthofs zu stören.
Ein wichtiges erwähnenswertes Detail stellte der ausgestellte Loungesessel dar: Die präsentierte Variante mit Hahnentritt-Fell und dem Reißverschlussdetail war ein Redesign, das Alexander Seifried für Richard Lampert entwickelte, um die Verkaufszahlen zu steigern. Die Ausführung wurde von Hirches Tochter freigegeben, jedoch später nicht weiter produziert. Gerade dieser Umstand verlieh der Präsentation eine zusätzliche, designhistorisch bemerkenswerte Ebene.
So entstand eine Inszenierung, die den Besuchenden einen unmittelbaren Zugang zur Designgeschichte eröffnete, die Brüche und Neubeginne der Nachkriegsmoderne greifbar machte – und zugleich die Sonderschau sinnvoll ergänzte.






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