Das Design
Das von Egon Eiermann als Beitrag für den Wettbewerb "Das wachsende Haus" entwickelte Eiermann Regal stellte ein Novum auf der Ausstellung von 1932 dar. Denn die Konstruktion von Egon Eiermanns Regal folgt einem damals neuartigen Prinzip, das aus nicht mehr als zwei Grundelementen besteht: Regalböden und zwei Stangen, wobei die Böden gewissermaßen auf die Stangen aufgefädelt werden. Mit der ungewohnten Statik und dem leichten Erscheinungsbild überwand Eiermann die damals übliche Regalbauweise. Doch passte der sehr moderne Entwurf nicht so recht zu den damals vorherrschenden Vorstellungen einer bürgerlichen Wohnungseinrichtung und schon gar nicht zu den nach 1933 tonangebenden Stilvorgaben der Nationalsozialisten. Deshalb ging das Regal Eiermanns zunächst nicht in Serienproduktion, sondern wurde nur bei bestimmten Projekten als Einzelanfertigung integriert. Mittlerweile hat sich das Egon Eiermann Regal zum Archetyp des modernen Regalbaus entwickelt und wird inzwischen, in leicht abgewandelter Form, vom Möbelhersteller Richard Lampert produziert.

Detail des Eiermann Regals aus massiver Eiche
Designer
Egon Eiermann wurde am 29. September 1904 geboren und arbeitete bis zu seinem Tod 1970 als Architekt, Möbeldesigner und Hochschullehrer. Er studierte Architektur in Berlin bei Hans Poelzig und gründete 1931 mit seinem ehemaligen Kommilitonen Fritz Jaenecke ein eigenes Architekturbüro. Zunächst realisierten die beiden überwiegend Wohnhäuser in Berlin und Umgebung. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten und der Trennung von seinem Kollegen Jaenecke konzentrierte sich Eiermann dann überwiegend auf Industriebauten. In diesem Bereich konnte er relativ ungehindert seinen modernen Stil realisieren und weiterentwickelten. Auch wenn er 1937 die Hauptausstellungshalle für eine große Propagandaausstellung der Nationalsozialisten gestaltete, sich also offenbar mit dem Regime arrangierte, konnte er seine Karriere nach dem Krieg problemlos und sehr erfolgreich fortsetzten und arbeitete bis zu seinem Tod überwiegend in Deutschland an zahllosen Architekturprojekten. Sein letztes Projekt, die Olivetti Türme in Frankfurt am Main, wurde erst 1972, also zwei Jahre nach seinem Tod fertiggestellt. Zu seinen berühmtesten Designentwürfen zählt neben dem Eiermann Regal von 1932 vor allem sein Eiermann Tischgestell aus dem Jahr 1953, das heute von Lampert im Set als Eiermann Tisch und leicht abgewandelter Form auch als Eiermann Kindertisch angeboten wird.

Eiermann Regal mit Eiermann Tisch zusammen mit einem modernen Stuhl von Richard Lampert
Hersteller
Nachdem das Regal Eiermann bei seiner Entstehung nur begrenzt auf Anerkennung stieß, wurde es erst in den 1990er Jahren durch Richard Lampert für eine breitere Masse zugänglich. Wiederentdecker des Eiermann Regals, Lampert, gründete sein Unternehmen Richard Lampert 1993, im Zuge ebendieser Lizenzerwerbung. Zuvor hatte er schon diverse Erfahrungen im Möbelgeschäft gesammelt: Nach seinem Studium versuchte er den schwächelnden Familienbetrieb, eine Möbelfabrik, zu retten und arbeitete in den Jahren nach der endgültigen Schließung als leitender Angestellter in unterschiedlichen Möbelunternehmen. Heute produziert Richard Lampert mit seiner Stuttgarter Firma klassische sowie aktuelle Designermöbel. Neben Möbeln von Designern wie Peter Horn, Herbert Hirche oder Alexander Seifried beinhaltet Richard Lamperts Sortiment außerdem eine sehr erfolgreiche Kollektion von Kindermöbeln. Dazu gehört beispielsweise die kindgerechte Variante des Eiermann Tischgestells, der Eiermann Kinderschreibtisch, und der Kinderstuhl Turtle von Peter Horn.

Regal Eiermann von Richard Lampert in der Ausführung aus massiver Eiche
Herstellung
Die Lizenzen der zum Teil lange verschollenen Egon Eiermann Möbel wurden in den 1990er Jahren von Richard Lampert erworben und werden seither vom gleichnamigen in Stuttgart ansässigen Möbelhersteller produziert. Den Originalentwurf des Eiermann Regals modifizierte Lampert jedoch zum Teil. Gewisse Details sowie die Materialien wurden aktuellen Anforderungen angepasst und für die moderne Serienproduktion optimiert. Die Rohre bestehen aus Edelstahl und die Regalböden sind heute aus weißem Melamin und massiver Eiche erhältlich. Das Regal Eiermann wird außerdem in unterschiedlichen Maßen angeboten.

Egon Eiermann
Zeitgeschehen
Das auf der Ausstellung "Das wachsende Haus" im Jahr 1932 vorgestellte und heute über Richard Lampert erhältliche Regal Egon Eiermanns steht mit seiner funktionalen und sachlichen Formensprache ganz klar im Zeichen der Moderne. Egon Eiermann, der vor allem während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aktiv war, gilt als bedeutender Vertreter der Nachkriegsmoderne. Die in Abgrenzung zum Bauhaus auch "Zweite Moderne" genannte damals vorherrschende Stilrichtung war von einem funktionalistischen Ansatz bestimmt. So folgten Eiermanns Arbeiten strengen funktionalistischen Prinzipien und verkörperten - ebenso typisch für die Zeit - mit Leichtigkeit und Frische die Fortschrittlichkeit der Nachkriegsjahre. Als Designer entwickelte Eiermann damals als erster in Deutschland Serienmöbel, die sich auch international durchsetzen konnten. Entwürfe wie der Holzklappstuhl SE18, der 1953 in die Sammlung des MoMA in New York aufgenommen wurde, oder das Eiermann Tischgestell, heute in vielen Architekturbüros zu finden, prägten nachhaltig eine ganze Generation von Designern.

Richard Lampert mit Designern der Kinderkollektion “Kids Only” auf der IMM Cologne 2011